Aus Toulouse zurück muss ich natürlich etwas über Airbus schreiben. Ich war aber auch in den Pyrenäen. Daher fange ich mit dem Pyrenäen Desman an.
Galemys pyrenaicusDieses pussierliche Ding lebt nur in den Pyrenäen und im Norden der Iberischen Halbinsel. Der nächste Verwandte ist der sibirische Desman. Der Desman gibt mir Anlass über den Wert der Biodiversität nachzudenken (ein Thema, über das ich mich hier noch das ein oder andere Mal ausbreiten werde).
Sicherlich sind Desmane im Ökosystem der Pyrenäen im Vergleich mit anderen Insektenfressern eine vernachlässigbare Größe. Wenn er also verschwinden würde wäre der Verlust für das Ökosystem der Pyrenäen sicher verkraftbar. Die Frage ist nur, was es für uns Menschen bedeuten würde, wenn es dieses süße Rüsseltier nicht mehr geben würde.
Mark Dion Necrophones
Unser Wissen um dieses seltsam schnuckelig, seltene Tier deutet auf einen anderen Wert der Vielfalt: die Summe der Einmaligkeiten vor unserer Tür. Der Wert der Dinge die nicht ersetzt, vertauscht und verkauft werden können. Wert kann ja nur als etwas Relatives ausgedrückt werden; also zB. das Mühlenberger Loch ist weniger Wert als 1000 neue Arbeitsplätze bei Airbus. Da sich Einmaligkeiten schlecht gegen etwas Anderes ersetzen lassen, hat das Sprechen vom “Wert der Vielfalt” immer auch etwas Absurdes.
Das Vertauschen von Laichplätzen gegen Arbeitsplätze oder von Arbeitsplätzen in Hamburg gegen Arbeitsplätze in Toulouse, welches einem ökonomischen Rechnen geschuldet ist hinterlässt das flaue Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt.

PS: Diese review von Louis Uchitelle’s “The Disposable American: Layoffs and Their Consequences” ist unbedingt lesenswert.