Beim Treffen der Umweltminister der G8 in Potsdam wurde eine Initiative in Rennen geschickt die sich “Potsdam Initiative zur biologischen Vielfalt 2010″ nennt. Das Papier selbst hab’ ich im Netz nicht gefunden. Aus dem Mitteilungen des BMU und im Vorfeld veröffentlichter Vörschläge kann die Zielrichtung der Initiative aber ganz gut erschlossen werden:

Biodiversität wird als wirtschaftlicher Wert angesehen und die Zerstörung der Biodiversität ist daher eine Bedrohung für die Weltwirtschaft. Ziel der Initiative soll es sein die wirtschaftliche Bedeutung des globalen Verlustes an Vielfalt besser abschätzen zu können. Zur COP 9 in Bonn 2008 soll dann ein Bericht vorliegen, ähnlich dem Stern (Weltbank) Report zum Klimawechsel.

Das ganze Vorhaben erschein äußerst ambivalent und vage. Es ist ja nicht erst seit Darwin ein Gemeinplatz das die “größte Summe von Leben durch die größte Unterschiedlichkeit” erreicht wird. Wenn es dann aber darum geht diese Summe von Leben in Geldwert auszudrücken, dann muss das in Trivialisierungen enden, die sich so anhören:

“Schätzungsweise 40 % des Welthandels basieren auf biologischen Produkten oder Prozessen, und die biologische Vielfalt versorgt die Weltbevölkerung – insbesondere die Armen – mit Nahrung, Arzneimitteln, Baustoffen und Bioenergie und schützt sie vor Naturkatastrophen. Die „Schatzkammer der biologischen Vielfalt“ dient der globalen Wirtschaft als außerordentlich wertvolle und unerschöpfliche Fundgrube für innovative Produkte und Prozesse, die vielfach noch nicht genutzt ist.” Hintergrundpapier zum G8 Environment Ministers Meeting

in der Tagesschau wird das dann so übermittelt:

“In der Studie sollen konkret die Kosten des Verlusts an Artenvielfalt in Relation zu den Kosten einer wirksamen Erhaltung gestellt werden. “Jeden Tag verlieren wir 150 Arten”, sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. “Wir löschen die Datenbank der Natur in einer nie gekannten Geschwindigkeit”, warnte er.”

Den Wert der Biodiversität im Haushalt der lokalen und globalen Ökosysteme auf den Haushalt unserer Konten zu übersetzen ist bestenfalls Umstritten und erinnert eher an einen initialen Reflex als an ein echtes Argument für den Erhalt der Vielfalt.
Denn was ist, wenn sich herausstellt, das es ökonomischer ist Arten zu vernichten als zu erhalten?

Auch hier gilt es wieder die Perspektive zu betrachten: wer verliert was und wie stark am Verlust der Vielfalt und wer sind die Verursacher des Artensterbens? Ein interessanter Beitrag zum Thema ist von Joseph H. Reichholf im Februarheft des Merkur erschienen.
Was ist uns die Vielfalt Wert, ist eine Frage die von unterschiedlichen Parteien und Ländern vielfältige Antworten liefert.
Gut ist aber, dass hoffentlich ein Prozess der politischen Meinungsbildung in Gang kommt und gehandelt wird.