Sind wir nicht alle ein wenig urbilateral?
Ich mag dieses Wort “urbilateral”. Irgendwie klingt das nach Großtstadt, Metro und dem Segen aus dem Petersdom, nach Wochenendausflug und Datscha. Und Urbisexuality klingt wunderbar nach Metrosexuality. Aber urbi-lateral ist natürlich nicht gleich ur-bilateral.

Mit diesem pussierlichen Tierchen wurden kürzlich in der Science unsere Urbilateria verbildlicht. Irgendwie schaut es nicht glücklich d’rein. Das mag vielleicht daran liegen, das es nur ein Modell-Tier und kein echtes ist. Nun gut. Was mich an diesem Tier, dem letzen Vorgänger vor der Spaltung der Tiere in die Ur-, und Neumünder heute interessiert ist seine Ringelwurm-haftigkeit, seine Segmentierung.
Die Urbilateria sind ja seit ihrer Erfindung zu den Stars der Evo-Devo avanciert. Klar, bei dem Namen. Seit dem es die Urbilateria gibt werden immer häufiger solch seltsame Fragen gestellt wie “Was unterscheidet uns, die Bilateralia, wir die Ringelwürmer, Tunicaten und Fruchtfliegen und Menschen von den Schwämmen oder Korallen? War unser Vorgänger segmentiert? Und ist die Segmentation unserer Wirbelsäule verwandt mit den Ringeln der Ringelwürmer.
Dieses Bild fällt mir dazu ein:

Was man darauf sieht ist, dass es wirklich eine ganze Menge morphologischer und genetischer Hinweise darauf gibt, dass diese Segmentierung ein primitives Merkmal der Bilateralia ist. Die Hinweise verdichten sich [1,2]
Sehr interessant, wenn auch etwas schwer zugänglich finde ich auch die donut-Modelle von Cummings.
Belavoine & Adoutte (2003) haben eine sehr weit gefassten Definition von dem Begriff Segmentation, sie sagen, Segmentation ist etwas, das in einem Organismus seriell wiederholt wird. Man kann sich natürlich vorstellen, dass so etwas entwicklungsphysiologisch und molekularbiologisch auf alle möglichen Weisen parallel und analog entstanden sein kann. Was mir auffällt ist, dass in vielen Proterostomen Segmentation ein primitives Merkmal ist. Ich hatte kürzlich selber mit dem Problem zu tun, als ich Hinweise auf serielle Schalenmuskeln bei den ältesten Cephalopoden fand, einer Gruppe also, bei der man eine serielle Organisation am wenigsten vermutet hätte. Hier ist einmal meine Rekonstruktion solch eines primitiven Cephalopoden (in ein paar Tagen in der Mai Ausgabe der Palaeontology zu finden:

Haszprunar & Wanninger (2000) haben schön gezeigt, dass serielle Muskelsysteme ein primitives Merkmal der Mollusken sind.

Aber, sind wir nicht alle ein wenig urbilateral?





May 13th, 2007 at 9:50 pm
Hehe. Ich druck mir’n T-Shirt: Urbilateral und stolz drauf.
Ich frag mich jetzt aber, ob Segmentation nach der Definition von Belavoine & Adoutte nicht einfach ein naheliegendes Bauprinzip auf dem Weg zu Größe und Komplexität ist.
Schließlich dürfte es wesentlich einfacher sein, eine funktionierende anatomische Einheit einfach zu verdoppeln, als den ursprünglichen Bauplan für ein doppelt so großes Lebewesen anzupassen.