Rundes Ding im Norden: Müritzeum
An einem Tag meines Urlaubs in der Seenplatte habe ich mir dann doch einmal das Auto geschnappt und bin nach Waren gefahren. Am 2. August hat dort das Müritzeum aufgemacht. Ich war gespannt auf die neue Ausstellung und wollte meiner Tochter zeigen, was man außer Rotfeder und Elritze noch so angeln kann, wenn man mal was richtiges am Haken hat. Die Warener Süßwasseraquarien hatten mich schon als Kind fasziniert. Ich kannte also das alte Müritz-Museum, ein schnuckeliges Naturkundemuseum für die Region mit seinen Aquarien und war gelinde gesagt ziemlich baff was aus dem Müritz-Museum als Müritzeum geworden ist.
Am Eingang hatte ich ein Dejavu-Erlebnis mit den gerade zurückliegenden stressigen, aber schönen ersten Tagen nach der Eröffnung der neuen Ausstellungen im Museum für Naturkunde in Berlin Mitte Juli; das Ding war voll, und die Klimaanlage war überfordert. Auf der Homepage des Müritzeums steht, dass sie in den ersten vier Tagen mehr als 17.000 Besucher hatten (am Berliner Naturkundemuseum waren es in den ersten Tagen ca. 10.000 täglich, inzwischen ist die 100.000 Marke überschritten und ein Schnitt von mehr als 5000 Besuchern täglich hat sich gehalten). Trotzdem haben wir unsere Plätzchen vor den Aquarien ergattern können und im alten Gebäude der alten Natrurkundlichen Sammlungen war es entspannend leer. Aber der Reihe nach:
Das Müritzeum hat also ein neues Gebäude; runder Grundriss, luftig leichte Architektur, man kann aufs Dach steigen und auf die Müritz schauen. Im Souterrain sind die Aquarien. Spektakulär, es gibt ein hundert-tausend Liter Aquarium in dem sich ein Schwarm Maränen im Kreis dreht, es gibt eine Reihe von Aquarien in denen der Lauf eines Flusses von der Quelle bis zur Mündung mit seiner Fauna gezeigt wird, und es gibt die Fische der Seen. Hier habe ich auch zum ersten Mal lebendige Sumpfschidkröten gesehen und gestaunt wie groß die werden. Interessant war für mich, dass an den Aquarien selbst sehr wenig beschrieben und erklärt wurde. Kontemplation und Information wurden räumlich getrennt. Man konnte sich an interaktiven Bildschirmen und Textfeldern anderswo im Raum erkundigen, was denn da in den Aquarien zu sehen ist. Das ist übrigens für die Eltern sehr entspannend, die ihre Kinder einfach vor den Aquarien oder vor den Computern abladen können, die Texte lesen, und dann vor den Aquarien einfach nur schauen oder mit den Kids quatschen können ohne immer zwischen Erklärung und Text pendeln zu müssen. (Dabei fällt mir ein, dass es toll ist, dass alle Aquarien in Kinderhöhe sind; elterliche Armmuskeln werden also geschont).
Im Erdgeschoss gibt es Themenräume zur Geschichte des Müritznaturparks, zur Entstehungsgeschichte der Landschaft einen Themenraum Wald und - mein persönliches Highlight - der Zwitschersaal, ein Darkroom in dem per Knopfdruck Vogelpräparate zum Singen gebracht werden können. Es können Vögel einzeln oder im Ensemble (wie die “Heckencrew”) zum singen gebracht werden.
Ein paar Meter hinter dem Müritzeum befindet sich am anderen Ende des Geländes das historische Gebäude der Sammlungen. Dort ist eine wunderbare Ausstellung zur Geschichte der Sammlungen entstanden, die unheimlich detailreich, schön, witzig und nicht überladen ist. Hier wird gezeigt, wozu naturhistorische Sammlungen gebraucht werden. Ich hätte gerne mehr Zeit gehabt mich hier zu vertiefen, aber meine Tochter wollte an dieser Stelle des Programms zum Schokoeis in der Stadt wechseln. Ich konnte aber trotzdem noch recht viel vom Ausgestellten sehen, weil die Ausstellungslogik für mich und meine Tochter gleichermaßen Interessantes bot, um ein ähnliches Tempo zu erlauben. Wunderbar. Wenn man die Gedult mitbringt, kann man in den gesamten Ausstellungen gut und gerne vier Stunden verbringen und wird am Ende begeistert sein von der mecklenburgischen Natur.
Ich bin am nächsten Tag mit meiner Tochter und ein paar Kindern ins Moor. Wir haben uns Sonnentau und Ringelnattern angeschaut und uns von Ameisen die Beine zerstechen lassen und wir haben uns gefreut, dass es Museum und “Echt” gibt..






Leave a Reply