Die diesjährige Tagung der Paläontologischen Gesellschaft fand in Freiberg statt. Für mich, gerade zurückgekommen vom Cephalopodenkongress in Japan, war das ein ziemlich großer Kontrast. Die Tagung in Japan war ein Treffen von Leuten, die alle am gleichen Thema interessiert waren und es ging dort recht heiß her, es gab viel Austausch und Diskussion. Die PalGes-Tagungen sind ganz anders. Hier geht es darum den deutschen Kollegen seine Arbeit vorzustellen. Das fällt nicht immer leicht, weil die Interessenfelder recht weit auseinander driften können. Neue Paläogene Wirbeltierfunde, kretazische Coccolitophoren aus Bohrkernen und small shelly fossils aus dem Kambrium der Türkei haben recht wenig miteinander zu tun. Die Fragestellung sind andere, reichen von stratigraphischen, palökologischen, bis hin zu taxonomischen. Mir ist aufgefallen, dass sich viele Autoren wenig Gedanken darüber machen, welcher Aspekt ihrer Arbeit für das dortige Publikum interessant sein könnte. Mir selbst geht es ähnlich, ich habe über Aspekte der ordovizischen Radiation gesprochen und dachte, dass vielleicht die generellen Diversitätsmuster, die ich bei den Cephalopoden gefunden haben Spezialisten andere Gruppen interessieren könnte. Da aber keine Zeit für eine Diskussion blieb, bin ich mir überhaupt nicht sicher ob das Thema auf Interesse stieß. Wichtig an der Tagung finde ich, dass sich hier unser Berufsstand einmal jährlicht trifft. Man sieht die Kollegen, bekommt ein Gefühl wer Paläontologie in Deutschland macht und was die aktuellen Themen der Anderen sind. Da gibt es meine persönlichen Tops und Flops.

Mein persönlicher Top war in diesem Jahr ganz klar die Arbeit von Joachim Haug und den Leuten der Ulmer C.O.R.E.-Gruppe, die seit Jahren die Orsten Fossilien erforschen. Im Schwedischen Västergotland kommte ein schwarzer Schiefer vor, der von den Bauern der Gegend ‘Schweinestein’ genannt wird, in Knollen dieses Kambrischen Gesteins kommen viele wunderbar erhaltene Embryos von überwiegend Arthropoden vor. Das Ganze ist sehr spannend, weil uns mit der Orsten Fauna ein sehr guter Einblick in die frühe Evolution der Eumetazoa gegeben wird und weil das Verständis der Lebensweise dieser Tierchen wichtig ist um die Nahrungsnetze im Kambrium zu Rekonstruieren. Joachim Haug zeigt nun in letzter Zeit auf manchen Tagungen die digitalisierten Rekonstruktionen dieser seltsamen Dinger. Diese Rekonstruktion eines einäugigen stammlinien Krebschens kann man sich auch in bewegten Bildern im Netz anschauen:


goticaris.png

Die Digitalisierungen zeigen erstaunliche Details. Das kennen wir ja schon von der Herfordshere Lagerstätte. Auch hier gibt es schöne Bildchen:

hereford.png

Die Rekonstruktionen der Ulmer, die sie mit der Software ‘Blender’, basteln wirken allerdings viel netter :-).