Das ist doch mal eine gute Nachricht : “Fossils Impact as Hard as Living Taxa in Parsimony Analyses of Morphology“. Gezeigt wird das von ein paar englischen Biologen mit Hilfe des Stiefelschlaufens und Klappmesserns, besser bekannt als bootstrapping und jackknifing, beides sind statistische Resampling-Methoden die angewandt werden, wenn man gewisse statistische Eigenschaften einer unbekannten Stichprobenmenge bestimmen möchte. Bei der Rekonstruktion von Stammbäumen gibt es in der Regel jede Menge unbekannte Stichprobenmengen. Die Unbekannten sind andere, wenn man Daten der Biologen (also von heute lebenden Tieren) oder von Daten der Paläontologen (von Fossilien) benutzt.
Ich als Paläontologe bin, seit ich als Paläontologe denken, kann mit dem Vorwurf der Neontologen konfrontiert, die mir sagen: Deine morphologischen Daten sind so hoffnungslos lückenhaft und interpretationsbeladen, du kannst überhaupt nichts Grundsätzliches zur Rekonstruktion der Stammbäume beitragen, ausser vielleicht einigen Details zum Timing der Evolution. Naja, da kann man nun lange hin und her streiten und das eine Argument gegen das andere abwägen. Nun kommen ein paar Biologen daher und zeigen, dass Daten fossiler Taxa die Stammbaumrekonstruktionen in der Regel genauso stark unterstützen, wie Daten lebender Tiere. Um das paper Lesen zu können muss man wenigstens wissen was CI’s und RI’s und MPT’s sind. Die Presseerklärung der Publisher kann man auch Lesen, wenn man das nicht weiss. Daraus ist mal ein Satz hervorzuheben.

“We also show that adding just one fossil to an analysis can result in a radically different picture of that group’s evolutionary history. The trees constructed without fossils may be oversimplifications, and far from the truth.”

Interessant, dass Biologen das inzwischen auch so sehen…Warum bringe ich das hier? Derzeit laufen gerade in deutschen und in englischsprachigen email Foren Diskussionen um die Probleme der Evaluation paläontologischer Wissenschaft und eine Krise im Paläo-Funding in den USA. Gemeinsames Problem ist, dass Paläo-Stellen wild gekürzt werden und von der Streichung bedroht sind. Paläontologie ist derzeit kein heißes Fach, das Geld fliesst woanders hin. Paper wie dieses hier zeigen, das Paläo Impakt hat. Nun kann man darüber Streiten ob morphologische Stammbaumrekonstruktionen und die entsprechende Sparte der Biologie zu den gehypten Fachrichtungen gehören; sicher nicht. Aber vielleicht gibt es ja bald ein paper, das mit knackigen statistischen Methoden zeigt, dass “Morphology Impact as Hard as Molecular Data in Parsimony Analyses” etc.