Wenn die Amis “Lagerhschtatten” sagen, dann hört sich dass immer so ein wenig nach Friedhof an. Und das ist ja eigentlich gar nicht so weit hergegriffen. Für die, die es nicht Wissen: Das eingeenglischte Wort bezeichnet Fossillagerstätten und geht etymologisch auf Dolf Seilachers

Seilacher.A (1970) Begriff und Bedeutung der Fossil-Lagerstätten. N. Jb. Geol. Paläont., Mh., 1970, 34-39.

zurück. Kurz gesagt Fossillagerstätten sind Stätten an denen sich viele exzeptionell erhalten Fossilien finden. Das Wort wird inzwischen etwas inflationär benutzt, weil es Aufmerksamkeit sichert. Aber es gibt eben doch ein paar S†ä††en, die das Wort verdient haben. Orte, deren Fossilien bisher bekannte Stammbäume durcheinander wirbeln oder molekulare Uhren verstellen.

In der aktuellen Geology sind gerade zwei neue Lagerstatten beschrieben worden, die das Wort verdienen. Ich bin ja nun seit ein paar Wochen in Lille an der Uni und musste schmerzhaft feststellen, dass die hier am Institut keinen Account haben. Ich habe mir die Artikel also von den Autoren zuschicken lassen. Und weil ich das Thema spannend finde bespreche ich beide Artikel hier ganz kurz.

Beide Artikel beschreiben Fossillagerstätten aus einem Zeitraum in dem diese sonst recht selten sind, dem Ordovizium und Silur. Bekannt sind aus dem Ordovizium eigentlich nur der Soom Shale (Südafrika), der für mich besonders interessant ist, weil er eine der ältesten Caphalopodenradulae erhält, die Winneshiek Lagerstätte aus dem schönen Iowa, und aus dem Silur vielleicht besonders bekannt die Ludlow Bone-beds (UK) die das älteste erhaltene terrestrische Ökosystem dokumentieren, und die bereits hier erwähnte Herfordshire Lagerstätte , bekanntgeworden durch den ältesten fossilen Penis.

Beide Lagerstätten repräsentieren extreme marine Flachwasserhabitate auf dem alten Kontinentalschild Laurentias (heute hauptsächlich USA und Kanada). Die eine hat noch keinen Namen und besteht aus zwei verschiedenen Orten in Manitoba, Kanada. Beschrieben wird die Fauna von einem Team des Manitoba Museums in Winnipeg. (hier ist der link), die zweite nennt sich Eramosa Lagerstätte, liegt in Ontario, Kanada und wird von einem Team vom Royal Ontario Museum beschrieben (hier der link). Besonders interessant sind beide Lagerstätten, weil es dort damals tropisch war und es ziemlich anders ausgesehen haben muss, weil es ja noch keine Mangroven etc gab.
Die Manitoba Lagerstätten sind noch dazu jüngstes Ordovizium, also ein Zeitraum recht kurz vor dem Ordovizischen Massenaussterben, und bietet einen Blick in den Garten bevor der große Bulldozer darüber gefahren ist, sozusagen. Da tummeln sich fröhlich Eurypteriden, Quallen und die ältesten Pfeilschwanzkrebse (die manche vielleich vom Coney Island Beach kennen). Das Problem ist allerdings das die Fauna, eine ziemlich Spezielle ist, Organismengruppen, wie Echinoideen, die geringe Salzgehaltsschwankungen tolerierten fehlen dort, und Muscheln (Nuculiden) die eigentlich im Ordovizium eine untergeordnete Rolle gespielt haben sind recht häufig. Dieses Diagramm gibt die Häufigkeit der Faunenelemente wieder:
manitob.png
(Young et al. 2007).

Die Eramosa Lagerstätte ist mittelsilurischen Alters, also aus einer Zeit in der der Garten sich nach dem Bulldozerüberfall wieder erholt hatte. Das besondere an Euramosa ist die extreme Vielfalt der erhaltenen Organismen. Es gibt eigentlich von allem was: Fische, Arthropoden, Anneliden, Mollusken, Seegurken, Graptoliten, Brachiopoden… hier die Liste:
erimosa.png
(Bitter et al. 2007)

Und hier mal ein Bildchen eines Eramosa Lobopoden von Bitter et al. 2007:eri.png

In beiden Artikeln wird von spektakulären Stücken berichtet die aber noch nicht näher beschrieben werden. Die Autoren machen es spannend. Es ist jedoch schon einmal sehr interessant zu sehen, wie die Faunen zusammengesetzt sind. Eurypteriden scheinen ja damals in Flachwasserhabitaten wirklich allgegenwärtig gewesen zu sein, wie vielleich die heutigen Krebse. Trilobiten, die ja ansonsten im Ordovizium und Silur fast überall zu finden sind, hat es in diesem flachen Wasser hingegen nicht gegeben. Na - die Autoren werden uns hoffentlich auf dem Laufenden halten was das alles zu bedeuten hat.