Mark Dion, Taxonomy of non-endangered species, 1990

Wieviel ist eine Art wert? Soviel oder soviel?

Wieviel ist eine Art für den Taxonomen wert? Wie viele
neue Arten im Jahr muss ein Taxonom finden um als Taxonom überleben zu können?

Anders als zu Linne’s Zeiten werden Taxonomen heute schlecht taxiert im System Wissenschaft. Die Diversität deutscher Taxonomen geht in den letzten Jahren deutlich rascher zurück als die der Arten. Die Zahl der Ausbildungstätten und Stellen von Taxonomen ist in den letzten Jahren derart drastisch erodiert, dass das Abreißen der deutschen taxonomischen Tradition droht

Eines der ganz großen Probleme der Taxonomen ist, dass ihre Arbeiten wenig zitiert werden und ihre Journale in Thompsons ISI der Biologie ganz unten stehen.

Das liegt daran, dass taxonomische Arbeiten oft eine lange Halbwertszeit haben. Taxonomische Arbeiten werden von Wenigen gelesen und zitiert, haben aber in der Regel einen dauerhaften wissenschaftlichen Wert. Taxonomische Arbeiten aus dem 19.JH sind heute genauso wertvoll wie damals. Über viele Organismen wird recht wenig publiziert und wenn eine Art ersteinmal beschrieben ist dann taucht sie in den vielzitierten Arbeiten höchstens im Datenannex auf.

Hinzu kommt, dass das Veröffentlichen gültiger neuer Arten ein langwieriger komplexer Vorgang ist, der nicht in die heutige schnellebigen Wissenschaftswelt passt. Wenn die Veröffentlichung einer Monographie drei Jahre vom Einreichen des ersten Manuskripts bis zu dem Zeitpunkt an dem die Arbeit in der ersten Bibliothek steht dauert, kann man sich ausrechnen, dass das erste Zitat dieser Arbeit nach sechs Jahren gezählt wird. Das ist für Taxonomen, deren Projekte im zwei- Jahresrythmus evaluiert werden tödlich. Für Taxonomen ist es daher besonders wichtig, dass es möglich wird neue Taxa schnell auch in digitalen Medien zu veröffentlichen.

Taxonomen beginnen daher in den letzten Jahren zunehmend die Dominanz des Impact Faktors bei der Bewertung wissenschaftlicher Arbeiten zu kritisieren. (z.b. hier, und bei Krell, F.T. 2002. Impact factors aren’t relevant to taxonomy. − Nature, 405: 507-508, Werner, Y. L. (2006), The case of impact factor versus taxonomy: a proposal)

Alternative Zitationsmaße werden daher gesucht um die Arbeit der Taxonomen zu bewerten.

Dazu braucht es ein System verlässlicher digitaler Langzeitarchivierung und Zitationsmaße die den digitalen Veröffentlichungen gerecht werden.

Deutsche Taxonomen haben eine Nationale Ausbildungsinitiative Taxonomie gegründet um der Misere der Taxonomie in Deutschland etwas entgegenzusetzen:

Die Initiative fordert zehn Stiftungsprofessuren finanziert durch die Länder, das sind ungefähr 3 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Zuwendungen der Länder an die DFG betrugen 2005 mehr als 560 Millionen Euro.

Das reicht nicht! taxonomische Arbeit muss wieder höher bewertet werden. Dazu braucht es die Förderung einer schnelleren digitalen Veröffentlichungspraxis von peer gereviewten Arbeiten, die Förderung digitaler Langzeitarchive und die Entwicklung neuer Zitationsmaße.