Zurück von einer kleinen Konferenz-Tournee habe ich viel zu berichten. Ich fang mal damit an: Mitte September war ich auf dem alle paar Jahre stattfindenden Symposium “Cephalopods-Present & Past”- ein übersichtliches Treffen von ca. 100 Spezialisten der Evolution der Cephalopoden. Dieses Mal fand das Symposium in Sapporo auf Hokkaido in Japan statt. Japan ist natürlich ein Land in dem Cephalopoden eine außerordentliche Rolle spielen. Man kann sie nicht nur gekocht, getrocknet und gebraten essen, sondern es gibt sie auch als Comicfiguren fürs Schlüsselbund und auf Gullydeckeln. Beim letzten Mal fand das Treffen in Fayetteville, Arkansas, USA statt. Ein etwas seltsamer Ort um die Evolution der Cephalopoden zu diskutieren. Diesmal war alles anders. Es waren noch mehr japanische Kollegen da, und mein absoluter Favorit waren Shuichi Shigeno und Kollegen. Die haben ein paper vorgestellt, welches gerade im Journal of Morphology herauskam. In Japan schafft man es seit ein paar jahren Nautilus im Aquarium zu züchten. Nun haben sich Shuichi Shigeno und Team die frühe Embryonalentwicklung einmal genauer angeschaut. Die Ergebnisse sind außerordentlich spannend. So konnte gezeigt werden, dass sich der Trichter von Nautilus nicht einfach aus dem Hinterende des Molluskenfußes entwickelte, wie bisher immer angenommen, sondern als epi-podale Falte oberhalb des eigentlichen Fußes. Was jedoch spektakulärer ist, ist die frühembryonale Anordnung der Arme von Nautilus. Da hat nämlich Nautilus fünf paarige (ja fünf, wie Sepia) Armanlagen, die sich direkt entlang eines anterior-posterior gestreckten Fußes entwickeln. Im dritten Monat hat das Embryo von Nautilus noch einige Ähnlichkeit mit einer Monoplacophore. Die vielen Tentakeln von Nautilus entwickeln sich sekundär aus den Hinteren der fünf paarigen Armanlagen, der Hut, aus den vorderen.

Shigeno et al. (2007)

Spannend sind diese Muster für mich vor allem deshalb, weil ich in den frühordovizischen fossilen primitiven Cephalopoden immer wieder fünf paarige Muskelansatzstellen gefunden habe.

Kröger (2007)

Bisher wurde immer angenommen, viele Tentakeln seien bei den Cephalopoden primitiv und die wurden dann zu zehn und schliesslich acht Armen (bei den Oktopoden) reduziert. Nun sieht es also ganz so aus, als ob die zehn Arme primitiv wären. Man muss sich also die Veränderung eines kriechenden Vorfahren der Cephalopoden so vorstellen, dass der Mund mit dem Beginn des Schwimmens ins Zentrum der vorne-hinten Achse verschoben wurde. Der Fuß, der nun frei wurde entwickelte dann muskulöse Tentakeln (vermutlich zehn) und oberhalb der Tentakeln entwickelte sich eine Hautfalte zum Trichter. Hier sind mehr Bilder:

Shigeno et al (2007)