Zum Glück gab es die Wiese hinterm TU Hauptgebäude. Dort habe ich ungefähr 50% der Zeit meines McPlanet Aufenthaltes verbracht und die Klimakatastrophe genossen. Von den Aktivitäten auf der Wiese (Theater, Essen&Trinken, div. Stände) habe ich auch wenig mitbekommen. Außer, das Publikum - nicht nur auf der Wiese - war sehr jung. In der Zeitung lese ich, dass 80% der Teilnehmer unter 30 Jahre alt waren; insgesamt sind 1500 Leute gekommen. Es gab 100 Foren, Workshops und einige Panel Diskussionen mit Promis wie Klaus Töpfer. Aber von all dem habe ich ja nichts mitbekommen, weil ich ja auf der Wiese saß und mit einer Bekannten gequatscht habe.

Die einzige Veranstaltung, die ich besucht habe, war der Workshop “Wem gehört die Natur? - Konflikte um biologische Vielfalt und Möglichkeiten demokratischer Biodiversitätspolitik” auf der scheinbar auch die Journalistin des Tagesspiegel war.

Die drei Referenten/innen haben über Konlikte bei der Inwertsetzung und Verwertung biologischer Ressourcen diskutiert. Für mich war interessant zu sehen, dass die Dynamik des Prozesses um die Convention of Biological Diversity von allen Dreien kritisiert wurde, weil sie zu einer zunehmenden Kommerzialisierung und Inwertsetzung der Biodiversität führe, und in jedem Fall wäre der Norden der Nutzniesser und der Süden und die indigenen Völker die Verlierer. Es ging in der Diskussion hauptsächlich um unterschiedliche Positionen wie die Verwertung der Natur gerechter gestaltet werden kann, und eigentlich überhaupt nicht um Conservation. Conservation wurde eher als ein neues Instrument zur Verwertung und Ausbeutung von natürlichen Ressourcen verstanden.

Später auf der Wiese habe ich dann mit einer der Referentinnen gesessen und über meine Rolle als Forscher geredet. Das war wirklich spannend, weil ich meine Arbeit ihr gegenüber rechtfertigen musste. Sie sieht meine Arbeit, also biologische Biodiversitätsforschung als potentielles Machtmittel und versteht sie bestenfalls als Zuarbeit für die Verwertungsinteressen des Nordens.

Mein Argument ist natürlich, dass mit unserer Forschungsarbeit die biologische Bedeutung von Diversität und die Bedeutung der einzelnen Organismen im Ökosystem erst verstanden wird, und dass das ja schliesslich der Ausgangspunkt der CBD war: Biologen haben erkannt wie wichtig Biodiversität für das Funktionieren unserer Welt ist und die globale Gefahr des derzeitigen Massenaussterbens aufgezeigt. Interessant ist ja auch, dass besonders die Leute im Süden und die indigenen Völker von der Erosion der Biodiversität betroffen sind. Meine Arbeit verstehe ich also eher als Beitrag, um die kommenden Gefahren zu verstehen.

Das Problem, scheint mir, dass es derzeit eine seltsame Entwicklung gibt: Die Biodiversitätsforscher möchten auf die Gefahren des Massenaussterbens hinweisen. Um die politischen Entscheidungsträger von ihren Erkenntnissen zu überzeugen und noch mehr Forschungsmittel zu akquirieren, versuchen sie die biologischen Gefahren in ökonomische Szenarien umzusetzen. Eines der Hauptargumente für drohende Verluste hier im Norden ist die Angst, dass die genetische Vielfalt potentieller Arzneimittel und Lebensmittel vernichtet und der ökonomischen Verwertung entzogen wird. Es wird also an die Industrie appeliert, die Biodiversität zu schützen. Damit machen wir natürlich den Bock zum Gärtner.

Hier eröffnet sich für mich die Frage, inwiefern unsere Biodiversitätsforschung denn nun tatsächlich dem Schutz oder der Vernichtung der Biodiversität dient. Ich bin natürlich vehement der Meinung, dass sie den Schutz erst ermöglicht. Aber, es hat sich ein kleiner Zeifel eingeschlichen. Wenn die Biodiversitätsforschung von der Akquise durch Mittel politischer und wirtschaftlicher Entscheidungsträger abhängig ist, dann ist es naheliegend, dass dies zumindestens indirekt einen Einfluss auf die Ausrichtung der Biodiversitätsforschung hat. Ist vielleicht der derzeitige Boom im screening und barcoding mit solchen Prozessen zu erklären. Welche Aspekte der Biodiversitätsforschung fallen herunter, werden wenig zitiert, weil wenige Forscher an diesen Themen arbeiten und haben wenig Chancen auf Förderung?

Das sind alles spannende Fragen die sich auf der McPlanet Wiese ergeben haben. Daher kann ich wohl für mich konstatieren. Der McPlanet hat sich gelohnt.