ha, ich schreibe ja aus einem Naturkundemuseum heraus; einem Ort, an dem Wissenschaft auf dem Präsentierteller liegt. Hier drängeln sich in schöner Regelmäßigkeit die Kameras um Saurierknochen und eingeharzte Amöben. Das wird bald noch wilder.
Wissenschaft geht Starmania, so haben sie das auf dem österreichischen Wissenschaftsmagazin heureka kürzlich betitelt und dabei angedeutet, daß Popularisierung von Wissenschaft immer mit solch einem Kolgate-Lächeln daher kommt. Das Beste was bei diesen Wissenschafts-Pop Versuchen herauskommt ist ein sauber-Image und und ein “ah-interessant”, das Schlimmste eine Propaganda, die die Öffentlichkeit an der Nase herumführt.

Christian Zillner hat dann einen bösen Kommentar auf den Starmania-Artikel verfasst:

“Ich hätte gern eine Wissenschaftssendung, wo ein paar grumpy old man,
völlig abgehoben aber unmissverständlich sagen: Ihr Saudeppen da draußen
vor der Glotze habt von Wissenschaft keine Ahnung, seid nach der Definition
von Aristoteles eh keine vollwertigen Menschen und könnt in eurer Ignoranz
scheißen gehen, wir sagen euch, wie eure Welt in Zukunft aussieht und ihr
habt dazu gar nichts zu sagen. Ich prophezeihe, die nächste Sendung bringt
Quote und zwar fett. Sie hätte auch den Vorteil, wahr zu sein und auf
dieser Basis Wissenschaft politisch zu verhandeln.”

Wo er recht hat, hat er recht.
Ich denke da an, Georg Franck mit seinem “Mentalem Kapitalismus“. Der Diskurs in der Wissenschaft und der der Diskurs der Öffentlichkeit sind ja zwei unterschiedliche Paar Schuhe, die zwar ähnlich funktionieren, aber doch für anderes Pflaster gedacht sind. Alle zerren an den Senkeln, die einen wollen gerne eine nationale Anhäufung von Humankapital, die anderen einfach nur ihre Quoten erhöhen und die nächsten wollen einfach mal ordentliche Fördergelder einheimsen. Wer da auch noch eine große Rolle spielt - davon kann ich gerade ein Lied singen - sind die Leute, die Forschungsgelder vergeben, sprich die Verfasser der Ausschreibungstexte für die calls im FP7 in der DFG und den anderen nationalen Forschungssinstitutionen. Hier wird wirklich Politik gemacht. Das fängt damit an, dass Forschung, will sie denn erfolgreich eingeworben werden den Bedingungen der calls erfüllen muss. Da geht es um mehr als um hohe Zitationsraten (also dem wissenschaftinternen Evaluationskriterium). Die Inhalte, die durch die calls ausgespielt werden, werden in irgendeinem (parlamentarischen?) Prozess ausgehandelt.

Die bösen Wissenschaftler handeln ja nicht im dunklen faustische Keller sondern in, von der Öffentlichkeit genau beobachteten hellen Labs. Und sie machen genau den Scheiß und das Gold das in diesem Licht opportun erscheint. (Ich will ja von meiner Wissenschaft leben.)

Wir Wissenschaftler sollten also den Wissenschaftsjournalisten und Wissenschaftsvermittlern, die ihr eigenes Interesse am Fach haben nicht unbedingt immer das Feld überlassen, sondern uns selbst einschalten. Das Problem ist: Wo finden diese Diskussionen statt? Naja, ok, ihr wisst die Antwort.