Solidarität, das ist das Schlüsselwort von Bodo Zeuners Kritik an der “Unternehmisierung des Universitätsbetriebs”, zuerst erschienen im Sommer in PROKLA und nun hier frei verfügbar. Der Text, ist die Abschlussvorlesung des Berliner OSI-Profs und darin werden wie selten kurz und knackig die Veränderungen reflektiert, die wir gerade in der deutschen Universitätslandschaft erleben. Er ist ein must read.

Am Otto Suhr Institut der FU Berlin (OSI) wurde die Gruppenuniversität geboren, die heute zu Grabe getragen wird und Bodo Zeuner hat die Veränderungen dort seit den frühen 70ern erlebt und mitgeprägt. Letzte Woche wurde die FU Eliteuniversität und im letzten Jahr wurde sie vom Magazin “karriere” zur „unternehmerischsten Hochschule” in Deutschland gekürt. Die FU ist also wichtig, wenn man verstehen will was an unseren Unis gerade passiert.

Der Text reiht sich in die Kritik von Lissmanns ‘Theorie der Unbildung” ein, geht aber weiter, weil darin nach Alternativen gesucht wird. Es wird gefragt: Was kann der Kommodifizierung des Wissens entgegengesetzt werden und vor allem von wem.

Wir Uniwissenschaftler sind jedenfalls nicht gerade das revolutionäre Subjekt:

“Bei den Universitätswissenschaftlern besteht eine strukturbedingte Unfähigkeit zu solidarischem Handeln. Ihnen wird im Zuge ihres Aufstiegs Konkurrenz als Habitus ansozialisert und Solidaritätsbedürfnisse werden wegsozialisert. Man muss auf jeden Fall besser sein als die oder der andere. Was es unter den individuell auf Konkurrenz gegeneinander ausgerichteten WissenschaftskarrieristenInnen gibt, sind nicht-solidarische Gruppenzusammenschlüsse von stets prekärer Art: Seilschaften und Zitierkartelle. Das heißt: Jeder kann jeden fallen lassen, wenn es ihm gerade opportun erscheint.”

und

“In der Wissenschaft aufgestiegene Menschen, vor allem die Professoren, sind daher im allgemeinen sozial sehr viel dümmer als etwa Fabrikarbeiter, die ziemlich früh durch Erfahrung lernen, dass es ihnen schlechter geht, wenn sie nur für sich ihr Glück versuchen, statt sich zusammenzuschließen: Allein machen sie dich ein, lautet die Formel für diese Solidarität.”

Trotzdem gibt es Grund zur Hoffnung. Auch als Wissenschaftler mag man wissen, dass “ keine Gesellschaft ohne Solidarität überleben kann” und man kann sich solidarisch verhalten.

Hier müsste nun eigentlich die Diskussion beginnen. Wo ist Solidarität praktisch möglich und wie können wir diese strukturell fördern?