Paläontologen und der Neo-Darwinismus
Es gibt wohl so etwas wie eine spezifische paläontologische Perspektive auf die Evolution. Gerade lese ich mit etwas Verspätung die Artikel in der New York Times Science vom 26. 06 mit Schwerpunkt Evolution (hier klicken, Passwort holen, 1, 2, 3 klicken und lesen) und stoße auf den Artikel von Douglas Erwin “Darwin Still Rules, but Some Biologists Dream of a Paradigm Shift.” Doug Erwin ist ein Paläontologe am Smithsonian und am Santa Fe Institute, der bekannt geworden ist durch seine Arbeiten über das Perm/Trias Massenaussterben und die Kambrische Evolution, und der in den letzten Jahren immer mal wieder für die NYT schrieb.
Beim Lesen des kurzen Essays fiel mir auf, dass bekannte Paläontologen nach G.G. Simpson, also nach der Begründung der Modernen Synthese (dem Neo-Darwinismus) dem Neo-Darwinismus meist recht kritisch gegenüberstehen und standen. Nicht, dass den zentralen Säulen darwinistischen Denkens widersprochen würde - also dem Zusammenspiel von Mutation und Selektion, und dem Organismus als seinem grundlegender Agens - sondern, dass immer wieder gewisse Orthodoxien angegriffen werden. Klar, fällt einem da gleich Gould ein, mit seiner Kritik am Adaptionismus, Gradualismus und seiner Auffassung einer Entkopplung von Makro-, und Mikroevolution. Ich denke auch and Art Boucout (mit dem ich übrigens in Nanjing über seinen “Vacuum” Artikel diskutieren konnte), der unabhängige makroevolutive Muster erkannte, und an David Raup, der eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Konzepts um die “developmental constraints” spielte. Doug Erwin reiht sich in die Kritiker des Adaptionismus ein, wenn er zusammen mit Molekularbiologen die Bedeutung der Selektion für die Entstehung neuer Baupläne minimiert.
Es wird ja immer mal wieder behauptet Paläontologen hätten nichts zur Evolutionstheorie beizusteuern und könnten nur das timing der Evolution erzählen. Doug Erwin macht mal wieder deutlich, dass da mehr drin ist. Schön.





July 20th, 2007 at 12:14 pm
[…] Diskussion um den Adaptionismus mitverfolgt die immer mal wieder aufbricht. Diesmal angekratzt von jenem Doug Erwin Artikel. Adaptation ist ein Totschlag-Argument, mit dem sich immer viel erklären […]