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Es gab einmal eine Zeit auf der Welt, da wurden die Gene frei getauscht, horizontaler Gentransfer sorgte dafür, dass die großen Makromoleküle wild ausgetauscht wurden. Dann, immerhin drei Milliarden Jahre vor Bill Gates, kam eine böse Bakterie auf die Idee, ihre Erbinformation nur noch an ihre eigenen Nachkommen zu vergeben. Das Gen war nur noch zum privatem Gebrauch und die erste biologische Art war geboren.

Diese Geschichte ist nicht absurd sondern gibt stark verkürzt aktuelle Debatten zur frühen Evolution des Lebens und zur Phylogenie der Prokaryoten wieder( 1, 2) so, wie sie Freeman Dyson erzählt. Dyson habe ich heute gelesen und mich sehr gefreut über die frische provokative Art seiner Essays. (hier in der New York Review of Books, und hier in the edge)

Die Erbinformationen sind frei und gehören keinem. Warum sollten wir also nicht damit spielen und unsere Welt besser machen? Wer sagt, dass wir es schlechter machen als die ‘Natur’? Wir Organismen sind weder von einem perfekten Macher gebaut, noch für irgendeinen Zweck, um besonders gut zu funktionieren. Begreifen wir uns als Teil dieser Natur erscheinen wir nicht als der böse Sündenfall der die Natur zerstört, sondern als Lebewesen wie alle anderen, die nicht immer nur Bewahren sondern durchaus mal eine neue Welt geschaffen oder eine alte Welt begraben haben. Wir greifen in das Geschehen der Welt ein, wie wir es auch drehen ob ohne oder mit Gentech. Wir können böse Zukunftsszenarien von Klimakatastrophen und genetische Horroszenarien entwerfen, wir können aber auch Utopien entwerfen über all die faszinierenden Dinge, die möglich sind. Also sehen wir die Dinge doch positiv und freuen uns über die neuen Erkenntnisse und Technologien, arbeiten an den Chancen die sie bieten, anstatt sie zu boykottieren und alten Reflexen anzuhängen.

So liest es sich bei Dyson und mich hat das gleich an Marge Piercys Frau am Abgrund der Zeit erinnert, die ich vor bestimmt beinah zehn Jahren gelesen hatte. Marge Piercys Frau am Abgrund der Zeit taucht in ein eine Welt der Zukunft in der die neuen Technologien nicht in Untergrundszenarien führten sondern eine vom Bösen emanzipierte Welt. Ich muss zugeben, beides, die Texte von Dyson und das Buch von Piercy hat mir außerordentlich gute Laune bereitet. Eine bessere Welt ist möglich.

Was mir an Dysons Texten sauer aufstößt ist seine positive Wissenschaftsgläubigkeit. Die Technologien schweben ja nicht im luftleeren Raum, sondern sind (im Gegensatz von natürlichen evolutionären Entwicklungen) zweckgerichtet oder zumindest zweck-constrained. Das (kreative) Potential der Biotechnologien ist nicht zu trennen vom kreativen, dysfunktionalen, oder zerstörerischen Potential unserer Gesellschaft. Wenn Dyson Optimismus im Kontext der Technologien propagiert ohne einen Optimismus im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklung zu propagieren kann das schnell missverstanden werden. Warum er das macht weiß ich nicht. Vielleicht ist er einfach zu sehr Wissenschaftler.

Die Leute des Critical Art Ensembles verbinden Beides, kritischen technologischen und politischen Optimismus, sie sind jedoch leider keine Wissenschaftler..