Autorenkollektive und nicht-lebende Autoren
Was ist ein Autor? Das fragte sich Robin Rose im Nature Blog, wenn auf einem paper mehr als 20 Autoren stehen?
Wenn ich zusammen mit drei Autoren ein paper schreibe, dann ist das schon kompliziert, aber wenn 20 Leute als Autoren auftreten stelle ich mir ein babylonisches Gewirr vor wenn es darum geht den Text zu schreiben und die Korrekturen zu lesen. Autorenschaft hat bei einem wissenschaftliche Artikel offensichtlich seine Bedeutung verändert.
Marc Scheloske hat gerade einen lesenswerten Artikel zum Thema auf der Wissenswerkstatt geschrieben. Einige kleine Anmerkungen fallen mir dazu noch ein:
Früher im Osten gab es ja manchmal so etwas wie Autorenkollektive. Auch bei russischen und chinesischen Arbeiten kennt man das. Ich weiß dann immer nicht, wie ich die zitieren soll. Es gibt ja oft auch keinen Editor. Das ist dann der berühmte Et al. (kennt den vielleicht jemand?).
Autorenkollektive von damals und die Multiautorenpaper von heute sind jedoch nicht miteinander vergleichbar. Denn, wenn heute 20 Autoren über dem paper stehen, wird einerseits zwar damit noch eine Arbeitsgruppe bezeichnet, es geht aber auch ganz klar darum: Wenn 20+ Autoren auf einem paper stehen, kann es 20+ mal bei den Institutionen abgerechnet werden und wenn jeder der Autoren sich nur einmal selbst zitiert, dann wurde schon 20x zitiert. Das sind in der derzeitigen Wissenschaftpraxis harte Argumente sich Mitautoren zu suchen und Autorenschaftskartelle zu bilden. Mit den Autorenkollektiven aus den VEB’s hat das nichts mehr zu tun.
Ich erinnere mich noch an die zweifelhafte Praxis einiger amerikanischer Kollegen den berühmten Paläontologen Jack Sepkoski, der 1999 an einem Schlaganfall starb, des öfteren posthum auf ihre Autorenliste zu setzen. So kam meines Wissens der letzte Artikel mit Sepkoski als Ko-Autor 2005 heraus.
Gerade kam nun auf dem PLOS ONE Blog der interessante Vorschlag die Autorenschaft von papern zukünftig ähnlich dem credit roll eines Films aufzuschüsseln. Das würde dann sicher gleich alle Fragen beantworten, die sich mir bei Sepkoskis posthumen Veröffentlichungen stellen. Und die 20+ Autoren würden dann eben aufgeschlüsselt, von der Regie bis hinunter zur Maske und alle können glücklich sein. Wie bringt man das allerdings Thomson Scientific bei? Ich sehe schon wilde Diskussionen, und wie wirkt sich das auf den Hirsch-Index auf?





November 19th, 2007 at 12:08 am
Die Idee mit der credit roll finde ich ziemlich gelungen, zumal sich das ja sehr einfach ins gegenwärtige System “einschleichen” lässt: Für Journals, die das nicht wollen, lässt man einfach die credits weg und reicht eine normale Autorenliste ein.
Das lässt sich aber wohl nicht bei allen Fächern so toll umsetzen. In der Teilchenphysik sind ja wegen der großen Forscherkollektive an den großen Beschleunigern bis zu hundert Autoren üblich. Ich glaube nicht, dass sich das fair aufschlüsseln lässt.