Vorm Aussterben
Eine Apokalypse vor zweihunderteinundfünfzig Millionen Jahren, die Mother of Extinctions, das Große der Big Five, die Katastrophe schlechthin. Globale Biodiversität ausradiert, runtergefahren auf ein Minimum. Von dem Leben, das es vorher gab hat gerade mal ein 20stel überlebt.
Das war das P/T-Ereignis, das Permo-Triassische Massenaussterben. In keiner der großen Biodiversitätskrisen hat es eine so starke globale Dezimierung der Vielfalt des Lebendigen gegeben, wie an der Wende vom Perm zur Trias.
Verständlich, dass dieses Ereigniss eine ganz eigene Faszination auf uns ausübt. Es wird auch intensiv darüber geforscht. – Meine spontane Google Scholar Suchanfrage nach P/T boundary extinction liefert knappe 12 700 wissenschaftliche Artikel zum Thema – In der Zeitschrift “Geology” kamen gerade die Artikel 12 701 und 12 702 heraus und die haben in ihrer Gleichzeitigkeit mein Interesse geweckt, weil sie an einem Thema rühren, das mich gerade beschäftigt.
Wenn wir in die Zukunft schauen, dann möchten wir manchmal gerne wissen, was da kommen mag und wir möchten gleichzeitig wenn wir das erfahren ein Patentrezept, um das Kommende zu verändern. Was passiert, wenn der Ceozwei Gehalt unserer Atmosphäre weiterhin exponentiell ansteigt? Was, wenn die Armut und die Megaslums der Welt weiter so wachsen wie bisher? Wir wünschen uns dann gerne ein Patentrezept herbei mit dem wir die Welt verändern können so wie wir es wollen.
Das Pedant zum Patentrezept in der Vergangenheit ist der Trigger, der Auslöser. Was löste das P/T Ereignis aus? Ich weiß nicht wieviele wissenschaftliche Artikel sich mit diesem Thema beschäftigten und beschäftigen: Flutbasalte, Meteore, Meerespiegelregressionen, kosmische Strahlung. Der Trigger scheint es keine Grenzen zu geben. Das ist beinah so, wie mit den Patentrezepten.
Beim P/T Massenaussterben zeigt sich nun immer deutlicher, dass es ein Massensiechen über Millionen von Jahren war. Es wurde einfach über einen Zeitraum von Millionen von Jahren immer dramatischer mit dem Aussterben der Arten. Der erste Artikel in Geology zeigt das (wenn auch nicht zum ersten Mal) in aller Deutlichkeit. Den Auslöser dieser Ereignisse zu finden gleicht einem Blick in sich zwei gegenüberstehenden Spiegel.
Der zweite Artikel in Geology zeigt das: Dort sagen die Autoren platt ausgedrückt, der Grund für das erhöhte Aussterben ist das schlechte Wetter, die erhöhte Verwitterung und die dadurch verschlechterte Wasserqualität im Meer. Ja, und woher das schlechte Wetter? Möglicherweise von den Meeresorganismen selbst ausgelöst, oder durch die zufällige Konstellation der Meere und Kontinente, oder beides.
Wenn so ein Auslöser benannt wird ist das wie mit einem Patenrezept, es ist Politik und wir sollten skeptisch werden.





December 5th, 2007 at 8:50 pm
Mist, da wollt ich in den Wissenslogs drüber schreiben…
December 5th, 2007 at 9:44 pm
Hält dich doch keiner davon ab. Es gibt ja viele Aspekte die an dem Thema wichtig und spannend sind. Also, denn mal los!
December 5th, 2007 at 11:54 pm
Dummerweise ist dein Schlusssatz mit der von mir angepeilten Schlussfolgerung quasi identisch. Ich muss mir also nen neuen Dreh suchen.
Aber ich glaub das krieg ich hin. Und selbst wenn nicht - das Perm läuft mir nicht weg…
December 6th, 2007 at 12:00 am
Wie wärs mit der Theorie von dem zyklischen Massensterben von M. Foote? (in Paleobiology 2006)
December 6th, 2007 at 4:50 pm
Klingt spannend, muss ich mal nen Blick drauf werfen. Hoffentlich gibt’s das an der Uni Ffm…