Zehn Jahre post Doc
Im kommenden Herbst werden es zehn Jahre her sein, dass ich promoviert habe. Das sind 10 Jahre Projektstellen in Berlin, Hamburg, wieder Berlin und zwischendurch in den USA und Frankreich. Das ist für mich Anlass zurückzuschauen, darüber nachzudenken was sich verändert hat und zu fragen, warum ich noch immer am Wissenschaftsbetrieb festhalte.
Vor kurzem habe ich auf der Webseite einer Historikerin die unmissverständliche Selbstbezeichnung “freischaffende Wissenschaftlerin” gelesen. Wir bezeichnen uns ja gerne vernebelnder als “Fellow”, “Stipendiat”, “Gastwissenschaftler”, “wissenschaftlicher Mitarbeiter” oder “Associate Researcher.” Freischaffend, das ist präziser. Frei, aber prekär beschäftigt. Manchmal erfolgreich, manchmal trocken Brot essend.
Über die Jahre seit meiner Promotion hat sich mein Bild vom Wissenschaftsbetrieb drastisch geändert. Anfänglich hatte ich einen gewissen Idealismus, zwischenzeitlich war ich erwartungsmäßig enttäuscht, und heute, um es diplomatisch auszudrücken staune ich über die vielen barocken Facetten in der Academia. Es gibt in der Welt der Wissenschaft die Börsen, die Kaufhäuser und Schnellimbisse, es gibt Autobahnen, Landstraßen, Flughafenterminals und Klöster.
Der Wissenschaftsbetrieb selbst hat sich in den letzten Jahren extrem gewandelt. Wer hat vor zehn Jahren schon vom Hirsch Index gesprochen und wer hätte damals gedacht, dass es in Deutschland 2009 praktisch noch immer keinen tenure track gibt.
Vor ein paar Monaten habe ich damit begonnen, über meiner Praxis als Wissenschaftler in Essay-Form nachzudenken. Ich plane die Texte irgendwann einmal, wenn ein Dutzend zusammengekommen sind, komplett zu veröffentlichen. Leider habe ich aber viel zu wenig Zeit daran zu arbeiten. So wird es also vielleicht nocheinmal zehn Jahre dauern bis ich damit fertig bin…